Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Wenn der Fall im Leben eines Menschen eintritt, dass er durch Krankheit oder Unfall nicht mehr dazu in der Lage ist, seinen erlernten Beruf weiter auszuüben und somit gezwungen ist, vorzeitig aus dem Berufsleben auszuscheiden, sollte an dieser Stelle grundsätzlich die Erwerbsminderungsrente greifen und den Betroffenen einen gewissen Lebensstandard weiterhin ermöglichen und sichern. Doch oftmals ist die Erwerbsminderungsrente, gerade wenn die Berufsunfähigkeit zu früh eintritt, so gering, dass dies nicht realisiert werden kann.

An dieser Stelle greift die Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese Art der privaten Vorsorge ist gerade dann notwendig, wenn die finanzielle Existenz durch eine zu geringe gesetzliche Rentenabsicherung bedroht ist. Dabei muss eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht teuer sein, wer auch hier früh genug einen idealerweise dynamisch anpassbaren Vertrag abschließt, sichert sich langfristig zu günstigen Konditionen ab.

Wer sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?

In der Regel gehört die Absicherung gegen plötzliche oder durch Krankheit bedingt eintretende Berufsunfähigkeit zu den wichtigsten Versicherungen, welche man abschließen kann. Diesem Umstand entsprechend ist sie auch für fast jeden berufstätigen Menschen sinnvoll, wenn nicht sogar unverzichtbar. Als Anhaltspunkt sollten bis zu 90% des Nettoeinkommens als monatliche Absicherung zugrunde gelegt werden. Die Erwerbsminderungsrente, welche widerrum nur an Personen gezahlt, welche weniger als 6 Stunden in einem beliebigen Beruf arbeiten können, kann zwar in diesen Absicherungsbetrag mit einfließen, es sollte jedoch die 6-Stunden-Regel bedacht und in der Worst-Case-Kalkulation mit eingeplant werden.

Denn: Kann die betroffene Person noch beispielweise noch 5 Arbeitsstunden täglich leisten, wird in diesem Fall wird jedoch nur der halbe Satz der gesetzlichen Absicherung gezahlt. Um die volle Erwerbsminderungsrente zu erhalten muss ein Betroffener unfähig sein 3 Stunden am tag beruflich tätig zu sein. Um eine solch schwere körperliche Beeinträchtigung bescheinigt zu bekommen sind die Hürden bei Amtsärzten jedoch regulär sehr hoch.

Ein weiterer Nachteil ist, dass diese Rente sehr gering ist und im Jahr 2017 im Schnitt bei knapp 760 EUR lag. Die Berufsunfähigkeitsversicherung schützt somit jede berufstätige Person bis zum Erreichen des regulären Rentenalters vor einem finanziellen Ruin, die Laufzeit dieser Versicherung ist somit auch nur bis zu diesem Zeitpunkt sinnvoll. Sobald anschließend die geplante Altersvorsorge greift, kann die finanzielle Absicherung hierdurch übernommen werden.

Wann zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung greift viel früher als die Erwerbsminderungsrente und schützt Personen vor finanziellen Notlagen. Auch die Beträge, welche ein Versicherungsnehmer erhält, sind wesentlich besser geregelt als bei einer einkommensabhängigen Erwerbsminderungsrente. Die Höhe der monatlichen Zahlungen ist dabei unabhängig von der Höhe des bisherigen Einkommens und wird beim Abschluss der Versicherung vereinbart. Die Versicherung zahlt sobald die Hälfte der Arbeitskraft im bisherigen Beruf verloren geht. Wer also elementare Tätigkeiten seines bisherigen Berufs nicht mehr durchführen kann, erhält auch dann Beiträge aus der Berufsunfähigkeitsversicherung gezahlt, wenn er andere Tätigkeiten dieses Berufs durchaus noch gut bewältigen könnte oder in einem anderen Beruf sogar wieder Vollzeit arbeiten könnte. Für die Vericherung ist darüber hinaus unerheblich, aus welchem Grund der Versicherungsfall eingetreten ist, sofern man nicht absichtlich die Berufsunfähigkeit herbei geführt hat.

Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Kosten für die Versicherung sind ein Punkt, welcher den Versicherungsschutz etwas relativiert. Versicherungsunternehmen, welche Gewinne erwirtschaften müssen, passen sie die Versicherungsbeiträge gemäß ihrem eigenen Risiko an. Wenn ein potentieller Versicherungsnehmer in einem körperlich anstrengenden Beruf tätig ist, welcher darüber hinaus ein hohes Verletzungsrisiko birgt, wird automatisch höhere Beiträge zahlen müssen. Dies ist ein Problem, da die Versicherung umso teurer wird, je dringender sie jemand benötigt. Darüber hinaus kann es sogar sein, dass Personen, welche in besonders risikoreichen Berufen tätig sind, gar keine Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten.

Deshalb ist es für diejenigen, welche sich privat gegen Berufsunfähigkeit absichern können, unbedingt notwendig, auch die Gesundheitsfragen genaustens und korrekt zu beantworten, da hier bei Unwahrheiten im Nachhinein die Leistung verweigert werden kann. Nur um beispielhafte Zahlen zu nennen, lagen die Kosten für die Versicherung für einen Maurer im Jahr 2016 bei rund 470 EUR beim teuersten Versicherer. Ein Mathematiker musste beim günstigsten Anbieter hingegen lediglich gut 50 EUR an Beiträgen zahlen. Tritt der Versicherungsfall ein, sind diese Beträge dann jedoch schnell uninteressant, da man froh ist, dass es diese Versicherung gibt und der Weg in die Armut und in Folge dessen auch in die Altersarmut, da eine private Altersvorsorge dann nicht mehr möglich ist, nicht bestritten werden muss.

Die Freizeitgestaltung spielt eine Rolle

Da die Berufsunfähigkeitsversicherung unabhängig von der Ursache, welche zu der Berufsunfähigkeit geführt hat, ausgezahlt wird, achten Versicherer auch ganz genau auf alle Aspekte des täglichen Lebens eines potentiellen Versicherungsnehmers. Wer in seiner Freizeit gerne Bücher liest, der wird geringere Beiträge für die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlen müssen, als jemand der jedes Wochenende mit dem Mountain- Bike steile Abhänge im Gelände runterfährt. Auch diese Angaben werden abgefragt und müssen bei Änderung auch nachträglich angegeben werden. Hierbei schätzen die Versicherer jedoch potentiell gefährliche Hobbys sehr unterschiedlich ein.

Ein Hobby, welches bei einem Anbieter die Berufsunfähigkeitsversicherung sehr viel teurer werden lässt, kann von einem anderen kaum beachtet werden. Dieser Kostenfaktor macht es sinnvoll die Angebote verschiedener Anbieter zu vergleichen. Auch wenn der Extremsportler sich im Laufe der Zeit entschließt, sein Leben ruhiger zu gestalten und gewissen Gefahrenpunkte aus seinem Leben verbannt, sollte das Versicherungsunternehmen kontaktiert werden, da hier vor angefallene Risikoaufschläge ggf. entfallen und somit der Gesamtbeitrag gemindert werden kann.

Berufsunfähigkeitsversicherung mit Vorerkrankungen

Ein Problem beim Abschluss der Versicherung ist die Offenlegung aller Vorerkrankungen, welche zu einer Berufsunfähigkeit führen könnten oder die bereits zu einer zeitweisen Berufsunfähigkeit geführt haben. Dies ist für die Versicherer notwendig um die Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Berufsunfähigkeit abzuschätzen. Je höher das Risiko ist, desto höher werden auch die monatlichen Beiträge. Hierbei gibt es jedoch noch weitere Probleme, denn in manchen Fällen kann das Risiko für einen Versicherer zu groß werden, weil der Eintritt des Versicherungsfalls praktisch sicher ist.

In einem solchen Fall kann es passieren, dass die Anfrage abgelehnt wird. Dies ist jedoch besonders problematisch, da sich sogar konkurrierende Versicherer unter einander austauschen. Wer von einem Versicherer die Berufsunfähigkeitsversicherung verweigert bekommen hat, der muss sich darauf einstellen, dass diese Information weiter geleitet worden ist und die Chancen überhaupt noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu erhalten drastisch gesunken sind, falls er überhaupt noch versichert wird. Trotzdessen können weitere Anfragen sinnvoll sein, da Versicherer wie zuvor erwähnt Risiken unterschiedlich einstufen. Ein Aufschlag ist jedoch meist vorhersehbar.

Deshalb stellt sich die Frage, wie man dies vermeiden kann. Um es ganz klar vorweg zu nehmen: das Verschweigen von Vorerkrankungen ist unter keinen Umständen eine Option. Sollte die Berufsunfähigkeitsversicherung irgendwann greifen, so wird der Versicherer ganz genau prüfen wieso der Versicherungsfall eingetreten ist. Denn auch wenn es eigentlich die Pflicht des Versicherers ist, für den Schadensfall aufzukommen, so wird er immer versuchen ein Schlupfloch zu finden um nicht zahlen zu müssen.

Das ist leider die Natur und Struktur fast aller Versicherungsgesellschaften, dient aber auch dem Schutz der anderen Versicherungsnehmer. Im Fall von absichtlich falscher oder unterschlagener Angaben kann es schließlich dazu kommen, dass zunächst der gesamte Versicherungsschutz verfällt und darüber hinaus die falschen Angaben als Versicherungsbetrug betrachtet werden. Würde die Versicherung hier leisten obwohl grundsätzlich kein Anspruch besteht, müssten die anderen Versicherungsnehmer jeden Schaden über ihre monatlichen Beiträge mittragen und die Versicherung würde zwangsläufig irgendwann exorbitant teuer und nicht mehr sinnvoll werden.

Eine Risikovoranfrage kann in bestimmten Fällen sinnvoll sein

Um beiden Problemen vorzubeugen, sollte man eine sogenannte Risikovoranfrage bei verschiedenen Versicherern stellen. Diese ist unverbindlich, führt deshalb nicht zu einer Ablehnung und die Information darüber wird normalerweise nicht an andere Unternehmen weiter geleitet. Diese Anfrage dient lediglich zur Ermittlung der Konditionen, unter denen ein Versicherer dazu bereit wäre dem potentiellen Kunden eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu ermöglichen. Hierbei kann es zu der einfachen, wenn auch ungünstigen Kondition kommen, dass früher betroffene Körperteile oder Leistungen welche mit Vorbelastungen behaftet sind vom Versicherungsschutz ausgenommen werden oder Aufschlagspflichtig sind.

Von der Berufsunfähigkeitsversicherung zur Rechtsschutzversicherung:
Auch wenn man nicht in absehbarer Zeit den Eintritt des Versicherungsfalls bei der Berufsunfähigkeitsversicherung erwartet, so ist er nie ausgeschlossen. Als Faustregel gilt dabei, dass kein Versicherer freiwillig für den Versicherungsfall aufkommen wird, sondern jede nur erdenkliche Möglichkeit suchen wird um sich von seiner vertraglichen Pflicht zu befreien. Dies kann neben dem eigentlichen Problem der Berufsunfähigkeit zu weiteren Problemen im Streit um die Pflicht des Versicherers zu zahlen, führen. Im Extremfall kann dies zu einem Rechtsstreit führen, der den Versicherungsnehmer Geld kostet, anstatt dass er welches bekommt. Eine ausreichend frühzeitig abgeschlossene Rechtsschutzversicherung kommt in diesem Fall recht bereitwillig für diese Kosten auf und ist als ergänzender Schutz grundsätzlich zu empfehlen.

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